Eindeutigkeitsproduktionen in der Sozialen Arbeit –
Fluchtpunkt für Theorie, Empirie und Praxis

Werner Thole
Universität Kassel

 

Die Soziale Arbeit hat sich in den zurückliegenden gut einhundert Jahren zu einem ausdifferenzierten, komplexen, aber auch uneindeutigen gesellschaftlichen Feld entwickelt. Soziale Arbeit ist inzwischen ein anerkanntes gesellschaftlich umfassendes Angebot der Hilfe, Unterstützung und der Anregung zu Bildung.

In dem Beitrag sollen diskursive und handlungspraktische Formen der Herstellung und Thematisierung von Sozialer Arbeit beschrieben und reflektiert werden. Hierzu wird sowohl auf empirische Befunde wie auch auf vorliegende theoretische Konzeptualisierungen der Sozialen Arbeit zurückgegriffen. Dabei wird der Annahme nachgegangen, dass in der Praxis der Sozialen Arbeit wie auch in den theoretischen Überlegungen bipolar modellierte Formen der Herstellung Eindeutigkeit anzutreffen sind. In den theoretischen Diskussionen führen diese zur Komplexitätsreduktionen, in der sozialpädagogischen Praxis befördern sie Etikettierungs- und Zuschreibungspraktiken. In dem Beitrag werden Überlegungen vorgetragen, wie mit derartigen „Eindeutigkeitsproduktionen“ sowohl in der Theorieentwicklung als auch der beruflichen Praxis umgegangen werden kann. Für die Praxis wird eine Möglichkeit darin gesehen, sich den jeweils konkreten Lebenslagen und -verhältnissen aufgeschlossener und erkundender zu nähern. Für die Theorieentwicklung wird vorgeschlagen, diese empirisch informierter anzulegen.