Kongressthema (Kurzfassung)

Erziehungswissenschaft hat sich innerhalb der vergangenen gut einhundert Jahre als eine feste Größe in Gesellschafts- und Wissenschaftssystem etabliert. Auf ihre Untersuchungsgegenstände – Erziehung und Bildung sowie deren Institutionen – wirkt sie einerseits aktiv ein und trägt somit zur Entwicklung und Modernisierung von Gesellschaft bei. Andererseits ist sie vielfältigen Erwartungen und strukturellen Rahmungen ausgesetzt, auf die sie zu reagieren und mit denen sie sich kritisch auseinanderzusetzen hat.

Erziehungswissenschaft emanzipierte sich erst im 20. Jahrhundert zu einer eigenständigen universitären Disziplin mit dem Zuschnitt, Erziehung und Bildung zu reflektieren sowie pädagogisches Wissen kontrolliert hervorzubringen, professionell weiterzugeben, zu systematisieren und zu kritisieren. Begleitet wurde ihre langsame und keineswegs kontinuierlich verlaufende disziplinäre Konstituierung durch Veränderungen und Brüche in theoretischen Rahmungen, pädagogisch-praktischen und politischen Bezugssystemen, Leistungserwartungen und Funk­tionszuschreibungen. Im Bewusstsein ihres wechselhaften Werdeganges reagiert die Erziehungswissenschaft inzwischen sensibel auf gesellschaftliche Veränderung, um ihren wissenschaftlichen Status und ihre gesellschaftliche Rolle jeweils (neu) zu bestimmen und bestmöglich auszufüllen.

Eine der zentralen sozialen Fragen des 21. Jahrhunderts wird die Charakterisierung von Bildung sein, weil sich ihre gesellschaftlichen Rahmenbedingungen rapide verändern. Verschärfung sozialer Ungleichheit, veränderte Kommunikationswege, Individualisierung, Herausforderungen im Umgang mit knappen Ressourcen wie Umwelt und Zeit sowie neue Eingriffsmöglichkeiten in das, was einmal als das natürliche Leben und als Voraussetzung von Erziehung und Bildung galt – all diese Veränderungen treffen, direkt oder indirekt, Kernbereiche erziehungswissenschaftlicher Forschung und pädagogischen Handelns. Deshalb ist Erziehungswissenschaft gefordert, in ihrer wissenschaftlichen Arbeit Zukunft mitzugestalten.

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft will der 24. DGfE-Kongress in Berlin den innovativen Potenzialen der Erziehungswissenschaft nachgehen und erörtern, welche Formen von Zukunft sie auf welche Art (mit-) gestalten will und kann. Dazu sollen die konstitutiven und variablen Spannungen zwischen vergangenen und zukünftigen Entwicklungen sowohl in universitären als auch in pädagogisch-praktischen Handlungsfeldern in den Blick genommen werden – einschließlich der sie jeweils beeinflussenden Rahmenbedingungen.

Der DGfE-Kongress 2014 will dazu anregen, über das Verhältnis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, über Traditionen und Zukünfte, Auf- und Umbrüche in Konsolidierung und Weiterentwicklung des Bildungs-, Sozial- und Erziehungswesens und der erziehungswissenschaftlichen Disziplin nachzudenken, um dazu beizutragen, dass Erziehungswissenschaft auch in Zukunft adäquat und wirksam agieren kann.

Eine ausführliche Beschreibung des Kongressthemas finden Sie auf der Seite des Call for Papers.