Kulturvergleich

Referenten: Prof. Dr. Merle Hummrich, Dr. Sandra Rademacher

Der Kulturbegriff lässt sich in der Erziehungswissenschaft ebenso wie in den Sozialwissenschaften insgesamt nicht ohne Schwierigkeiten verwenden. Durch ein kulturvergleichendes Vorgehen würden jene Differenzen, die in und mit dem Vergleich in den Blick geraten, überhaupt erst erzeugt. Mit dieser Kritik geht auch die Problematik der Verdinglichung des Kulturbegriffs einher. Ob und wenn dann wie kulturelle Differenzen empirisch rekonstruiert werden können, das soll in diesem Workshop diskutiert werden. In einer erziehungswissenschaftlichen Perspektive, die sich mit Bildungssystemen befasst, stellt die Tatsache, dass eine moderne, universalistische Bildungsidee (alle sollen an Bildung teilhaben dürfen) sich weltweit verbreitet hat, eine besondere Schwierigkeit dar. Ein Kulturvergleich innerhalb der empirischen Bildungsforschung steht damit von Anfang an vor dem Problem, eine moderne Kultur von nationalen oder regionalen Kulturen unterscheiden zu müssen. Der Workshop setzt bei den hier skizzierten Widersprüchen und Spannungsfeldern an und arbeitet zunächst grundlegende methodologische Prämissen eines kulturvergleichenden Vorgehens heraus. Im Anschluss werden am Material (an Bildungsgesetzen und Unterrichtstranskripten aus verschiedenen Ländern) die Potenziale und Grenzen kulturvergleichenden Arbeitens diskutiert. Dabei soll die rekonstruktive Arbeit den Schwerpunkt dieses Workshops bilden.