Vignettenforschung

Referenten: Prof. Dr. Michael Schratz, Johanna F. Schwarz, Tanja Westfall-Greiter

Lernen ist nicht das Ergebnis von Lehren, jedoch sind lehren und lernen vielfältig miteinander verstrickt. Die Vignettenforschung eröffnet einen hermeneutisch phänomenologischen Zugang, der über das Miterfahren von Unterricht einzelner Schüler/innen „zu den Sachen selbst“ (Husserl) zurückführen soll und damit Phänomenen des Lernens auf die Spur zu kommen versucht (z.B. zuschreiben, üben, unterbrechen).

Dieser phänomenologische Zugang ist gekennzeichnet durch Vieldeutigkeiten, Bruchstellen, Widerfahrnisse, Übergänge und Randzonen, die sich herkömmlichen Forschungsmethoden verschließen. Als „Klangkörper des Lernens“ (Schratz, Schwarz & Westfall-Greiter 2012) erfassen Vignetten Erfahrungsmomente aus dem schulischen Alltag und verdichten diese in prägnante Texte. Sie basieren auf tatsächlichen Ereignissen und gelebten Erfahrungen, deren Spuren sie in einem Überschuss in sich tragen.

Im Workshop wird der Ansatz der Vignettenforschung von der Feldphase (Schreiben von protocols of lived experience) über das Erstellen von Vignetten bis zu deren Lektüren erfahrbar gemacht. In der Folge wird diskutiert, wie sich daraus neue Sichtweisen auf eine „lernseitige Orientierung“ (Schratz 2009) eröffnen und Vignetten in der Lehreraus- und –weiterbildung eingesetzt werden können.

Literatur
Schratz, M. (2009). „Lernseits“ von Unterricht. Alte Muster, neue Lebenswelten – was für Schulen? Lernende Schule, 12(46-47), 16–21.

Schratz, M., Schwarz, J. F., & Westfall-Greiter, T. (2012). Lernen als bildende Erfahrung: Vignetten in der Praxisforschung. Mit einem Vorwort von Käte Meyer-Drawe und Beiträgen von Carol Ann Tomlinson, Mike Rose u.a. Innsbruck: StudienVerlag.